Jürgen Habermas : Nachmetaphysisches Denken II - Aufsätze und Repliken

Diskurs aktuell
J.Habermas : Nachmetaphysisches Denken
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Online-Publikation: Oktober 2012 im Internet-Journal <<kultur-punkt>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
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335 Seiten, Leinen; ISBN: 978-3-518-58581-8; D: 34,95 € A: 36,00 € CH: 46,90 sFr
Suhrkamp/Insel Verlag, Berlin; http://www.suhrkamp.de

Inhalt
»Wir haben zum nachmetaphysischen Denken keine Alternative.« Dieser Satz, geschrieben von Jürgen Habermas in seiner 1988 erschienenen Aufsatzsammlung Nachmetaphysisches Denken, gilt noch heute. Nachmetaphysisches Denken – das ist zunächst die historische Antwort auf die Krise der Metaphysik nach Hegel, deren zentrale Denkfiguren vor allem durch gesellschaftliche, aber auch durch innerwissenschaftliche Entwicklungen ins Wanken geraten sind. In der Folge wurden das Erkenntnisprivileg der Philosophie erschüttert, ihre Grundbegriffe detranszendentalisiert und der Vorrang der Theorie vor der Praxis in Frage gestellt. Aus guten Gründen hat die philosophische Theorie, so die Diagnose damals, »ihren außeralltäglichen Status eingebüßt«, sich damit aber auch neue Probleme eingehandelt. In Nachmetaphysisches Denken II widmet sich Habermas einigen dieser Probleme in zum Teil bisher unveröffentlichten Texten.
Im ersten Teil des Buches geht es um den Perspektivenwechsel von metaphysischen Weltbildern zur Lebenswelt. Letztere analysiert Habermas als »Raum der Gründe« – auch dort, wo die Sprache (noch) nicht regiert, etwa in der gestischen Kommunikation und im Ritus. Im zweiten Teil steht das spannungsreiche Verhältnis von Religion und nachmetaphysischem Denken im Vordergrund. Habermas schließt hier unmittelbar an seine weitsichtige Bemerkung von 1988 an, wonach die »Philosophie auch in ihrer nachmetaphysischen Gestalt Religion weder ersetzen noch verdrängen« kann, und erkundet etwa das neue Interesse der Philosophie an der Religion. Den Abschluss bilden Texte über die Rolle der Religion im politischen Kontext einer postsäkularen, liberalen Gesellschaft.

Autor
Jürgen Habermas wurde am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren. Von 1949 bis 1954 studierte er in Göttingen, Zürich und Bonn die Fächer Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie. Er lehrte unter anderem an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main sowie der University of California in Berkeley und war Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Jürgen Habermas erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden und Preise, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2001) und den Kyoto-Preis (2004).

Fazit
Jürgen Habermas geht seinem eigenen Denken auf den Grund, in seinem Diskursbuch " Nachmetaphysisches Denken II "  in Aufsätzen und Repliken" , versucht in Antwort und Gegenrede auf Einwendungen, auf Erwiderungen anderer für und gegen seinen Anspruch zu antworten. Um sich so  "von den Weltbildern zur Lebenswelt" hinzuwenden, dabei Religion in seinen Zusammenhängen mit nachmetaphysischem Denken und Politik in einer "postsäkularen Gesellschaft" zu prüfen, und so Habermas, an der Säkularisierungsthese zu zweifeln. Wie es sich für einen stringenten Denker wie Habermas gehört - als Dialektiker der Aufklärung -, auch den Zweifel zu befragen,  den eigenen wie den der anderen, davon komplementär stetig zu lernen, was ihm in diesem Diskursbuch durchaus gelungen ist. m+w.p12-10